Wie lange brauchst Du, bist Du wieder einsatzfähig bist?

Im Ernst, wenn in einer kritischen Phase - ungeduldige Kunden warten, etwas muss fertig werden, Urlaub steht bald an - also genau dann, wenn Du am wenigsten damit rechnest und es wirklich nicht gebrauchen kannst, wenn Du genau dann morgens den Laptop aufmachst und Du die Meldung bekommst: No Harddisk found...

Wie lange dauert es, bis Du

  • Dich vom Schock erholt hast (erst mal Kaffee/Tee/warme Milch!)
  • die üblichen Lösungen durchgegangen bist (alle Verbindungen ok? BIOS ok?)
  • die Situation akzeptierst (Mist,Mist,Mist)
  • und dann endlich wieder arbeiten kannst?

Sind das eher Minuten, Stunden oder Tage?

Oder vielleicht gar nicht, weil es kein Backup gibt?

Achwas, Backups haben wir alle, im Zweifelsfall irgendwo in der Cloud. Na gut, vielleicht zählt die Cloud auch nicht.

Aber wie sieht es mit dem Restore aus? Also, wie lange dauert es, bis Du wieder einen Rechner hast, auf dem alle Daten zur Verfügung stehen und Du wieder arbeiten kannst. Diese Frage hatte Joel Spolsky vor ein paar Jahren gestellt, aber lange Zeit habe ich das nicht so richtig ernst genommen.

Bis mir im letzten Jahr im Mai meine gerade 2 Monate neue SSD abgeraucht ist. Glücklicherweise war die vorher eingebaute Festplatte noch in unverändertem Zustand und konnte direkt wieder benutzt werden. Aber da die SSD kleiner war als die HDD hatte ich einige Sachen verschoben, Backup-Prozeduren verändert usw. Als Endergebnis waren dann eben doch ein paar Tage Arbeit weg.

Ok, Lektion gelernt. Dachte ich, bis die Ersatz-SSD, die nach ca. 4 Wochen geliefert wurde, im November letzten Jahres auch ihren Geist aufgab. Naja, mehr als doppelt so lange gehalten wie die anderen. Aber dieses Mal war ich vorbereitet, hatte ich mir doch über Back in Time ziemlich platzsparend tagesaktuelle Backups auf eine externe Platte gesichert. Back in Time ist in etwa vergleichbar mit der Time Machine auf Macs; es gibt weitere gleicharte Programme. Im Prinzip werden beim ersten Aufruf über rsync zuerst alle Daten in ein Verzeichnis kopiert. Bei allen folgenden Aufrufen wird das Sicherungsverzeichnis über hardlinks vervielfältigt und nur alle aktualisierten Dateien wirklich kopiert. Das spart auf der einen Seite sehr viel Zeit und Plattenplatz, sorgt aber gleichzeitig dafür, das von jedem Sicherungszeitpunkt ein komplettes Backup existiert. Backup und Archiv in einem.

Vorausgesetzt natürlich, ich habe die externe Platte sowohl für Backup als auch für Restore dabei...

Also alles gut, wenn man wirklich regelmäßige Backups macht, evtl. sogar zeitgesteuert über cron?

Fast, denn wir haben ja kein bisher kein komplettes Restore ausprobiert...

Bei dem notwendigen Restore im November stellte sich dann raus, dass ich durch eine fehlerhafte Einstellung nicht alle Daten gesichert hatte, ausgerechnet einige Dateien und Verzeichnisse mit einem "." wurden nicht gesichert. Also fehlten einige Einstellungsdateien, Lesezeichen in Firefox, lokale Tags in Thunderbird (die eigentlichen E-Mails dank imap nicht) usw.

Diesmal fehlten also einige Daten einfach so, einige Daten brauchten nur Zeit, um sie wieder herzustellen und zusätzlich natürlich die Zeit für Kauf und Einbau einer Festplatte, Installation des Betriebssystems usw. usf.

Also locker 1-2 Tage.

Tja, und diese Woche dann die 3. defekte SSD...

Zeit dieses Mal: ca. 1 Stunde! Und das im Zweifelsfall auch ohne externe Platte übers Internet. Zusätzlich zu den - dieses Mal richtig eingestellten - Backups habe ich meine Daten auch auf einen Server im Internet gespiegelt, zeitgesteuert wurde über rsync eine exakte Kopie meiner wichtigen Daten im Hintergrund erstellt. Und dank eines einsatzbereiten Ubuntu auf der 2. Platte in meinem Laptop brauchte ich die Daten nur zurück spielen und konnte nach 1 Stunde weiterarbeiten.

Noch einmal wird das in dieser Konstellation übrigens nicht passieren, ich bekomme dieses Mal eine andere SSD (Agility anstatt Vertex2) und um ganz sicher zu gehen: Einen neuen Laptop in ziemlich genau meiner Wunschkonfiguration hat Amazon innerhalb von nicht einmal 24 Stunden geliefert.

Alles gut also? Nicht ganz: Da ich ziemlich viel Datenbankzeugs mache fehlt hier mindestens noch etwas Komfort beim Sichern und auch zurückspielen dieser Daten (Versionsunterschiede? Konfigurationen?).

Und für die meisten Projekte habe ich virtuelle Maschinen eingerichtet. Die Sicherung dieser VM ist entweder aufwändig (Backup aus den VM mit entsprechenden Mitteln) oder sehr langwierig (jedes Mal 10-20 GB/Maschine) und Platz verschwendend. Falls jemand dafür Ideen hat, immer her damit! Meiner Meinung nach habe ich meine Quote für Plattencrashs in diesem Jahrzent zwar erfüllt aber man weiß nie...

Also, wie lange brauchst Du, bist Du wieder einsatzfähig bist?

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